Naturschutzkühe erhalten die Biotopbrücke Lech

Beweidung macht den Unterschied: Im Vordergrund die beweidete Fläche und hinter dem am Pfosten lehnenden Gebietsbetreuer Stephan Günther der dichte Wald. (Foto: Michael Thoma)

Beweidung macht den Unterschied: Im Vordergrund die beweidete Fläche und hinter dem am Pfosten lehnenden Gebietsbetreuer Stephan Günther der dichte Wald.
(Foto: Michael Thoma)

Früher wurden die Lechauen immer wieder vom Hochwasser überflutet und Auerochsen und Hirsche weideten dort. Ackerbau war nicht möglich, deshalb ließen die Menschen am Lech schon vor Jahrhunderten besonders robustes Vieh weiden. In diesem Lebensraum gediehen Pflanzen und Tiere, die mit solch kargen Bedingungen gut zurechtkamen.

Nach dem Bau der Staustufen verschwand der allergrößte Teil dieser Auen. Am Ostufer des Lechbrucker Stausees jedoch blieb ein relativ großes Gebiet mit lichtem Schneeheide-Kiefernwald erhalten. Ohne das Hochwasser und die Tiere könnten dort heute Gebüsch und Gras ungestört wuchern. Dann wäre es bald vorbei mit den „kargen Bedingungen“.

Mit einem Beweidungsprojekt will Lechtal-Gebietsbetreuer Stephan Günther den Enzianen und Frauenschuh, Bläulingen und anderen seltenen Insekten das Überleben ermöglichen. Wenn alle bürokratischen Hemmnisse überwunden sind, werden auch in diesem Jahr trittsichere Murnau-Werdenfelser-Rinder mit ihren schwarzen Hornspitzen in der Lechaue bei Gründl weiden. Ihre Hufen lockern den Boden auf und so finden zum Beispiel die für die Bestäubung des Frauenschuhs wichtigen Sandbienen nackte, sonnenbeschienene Flächen für ihre Nestlöcher.

Bei einer Führung am 1. Mai konnte Stephan Günther einer Gruppe Interessierter den Unterschied zeigen: Hier die umzäunten Weiden mit einzelnen Wacholderbüschen und Kiefern, wo die Sonne den Boden bescheinen kann, dort die vom Menschen unbeeinflussten Flächen, auf denen langes trockenes Gras einen lichtundurchlässigen Filz und Fichten einen dichten Wald geschaffen haben.

Der Lech ist eine wertvolle europäische Biotopbrücke für viele Arten, die auch im Jura auf der Nordseite der Donau vorkommen, er ermöglicht dringend nötigen Genaustausch – zwischen den Alpen und der Alb. Am Lech treffen verschiedene Vegetationszonen zusammen und so gibt es dort sowohl die aus Westeuropa stammende Sumpfgladiole als auch den alpinen Enzian und die Küchenschelle aus Osteuropa.

Damit die Bauern, die für die naturschutzorientierte Beweidung geeignetes Vieh zur Verfügung stellen, für ihren beträchtlichen Aufwand angemessen entschädigt werden, bat Stephan Günther um Spenden, für die die Umweltinitiative Pfaffenwinkel ein Konto (Sparkasse Schongau DE72 7345 1450 0036 1239 25, Stichwort „Naturschutz-Kühe“) eingerichtet hat.

 

Lebensraum Lechtal e. V.:

Die Gebietsbetreuung am Lech wird organisiert von dem Verein Lebensraum Lechtal, den die Landkreise und freien Städten entlang des Lechs vor zehn Jahren gegründet haben und finanziell ermöglicht durch den Bayerischen Naturschutzfonds (aus Erlösen der Glücksspirale), den Europäischen Sozialfonds sowie den Bezirk Oberbayern. Der Verein setzt sich für den Lech ein von der Landesgrenze bis zur Mündung in die Donau.

Weitere Informationen und Termine: http://lebensraumlechtal.de

 

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