Am 7. November 2025, irgendwann am Vormittag drückte meine Frau mir den Telefonhörer in die Hand. Auf der anderen Seite war Boris Forstner, Chefredakteur der Schongauer Nachrichten. Er hatte eine lang ersehnte Nachricht aufgrund einer frischen Pressemeldung der bayerischen Eisenbahngesellschaft parat: die Potenzialanalyse der Fuchstalbahn war erfolgreich.
Mit 1400 Personenkilometer je Kilometer Betriebslänge lag das Ergebnis unerwartet weit über den geforderten 1000 PKM. Mit so einem hohen Ergebnis hat niemand aus unserem Arbeitskreis gerechnet. Die Prognose von 1400 Reisendenkilometer je Kilometer Betriebslänge ist mit eine der höchsten von der BEG berechneten Fahrgastzahlen einer zu reaktivierenden Strecke. Wenn das Deutschlandticket bleibt, rechnet die BEG sogar mit einem Potenzial von 1.500 Reisendenkilometer (je Kilometer Betriebslänge, wohlbemerkt!)
Die freudige Nachricht ging viral und war Anlass genug, uns abends zum Gruppenbild und zu Sekt am Bahnhof SOG zu treffen. Anschließend ging es zum Italiener und wir feierten dort beim Essen weiter.

Dieser Erfolg war das Ergebnis einer jahrelangen Arbeit und ist ein ganz wichtiger Etappenschritt auf dem Weg zu unserem Ziel. Jetzt kann der Fuchstalbahn–Reaktivierungsprozess richtig Fahrt aufnehmen!
Hinter uns liegt ein langer und steiniger Weg, der mit der damaligen Gründung der Initiative Fuchstalbahn Ende der 90er durch Hans Schappert begann. Nach deren Auflösung gründete sich in der Nachfolge der Arbeitskreis Fuchstalbahn, der zur Umweltinitiative Pfaffenwinkel gehört.
An dieser Stelle gedenken wir neben Hans Schappert auch unserem Mitstreiter, Hans Schütz, der leider viel zu früh von uns ging. Hans hatte auch in seiner Funktion als Kreisrat wesentlichen Anteil am Gelingen dieses Erfolges.
Bei aller Freude wissen wir, dass uns noch ein langer und steiniger Weg bevorsteht. Prozesse müssen angestoßen werden, jetzt zu Beginn und vor allem auch dann, wenn es stockt. Zu klären ist, welche Akteure jetzt ins Spiel kommen müssen, damit es weitergeht. Auch das »Unbekannte« und »Unvorhergesehene« sind Beteiligte im positiven wie auch im negativen Sinne. Zudem gibt es fahrplantechnische Maßgaben, Machbarkeitsuntersuchungen sowie eine Wirtschaftlichkeitsprüfung, in der die aufzuwendenden Kosten gegenüber dem volkswirtschaftlichen Nutzen untersucht werden. Letztere ist Voraussetzung für eine Förderung durch Bundesmittel. Es betrifft also das weite Feld der Finanzierungen.
Zunächst stellt sich allerdings die Frage, wer das Verfahren steuert und koordiniert. Wer hält die Zügel in der Hand? Ist es die BEG und/oder die Kreise oder gar andere?
Die Anpassung eines Buskonzeptes durch die Landkreise und den Gemeinden an den neuen Bahnbetrieb wird ebenfalls ein Thema sein. Auch diese werden im künftigen Verfahren wichtige Beteiligte darstellen.
Zu Beginn muss geklärt werden, ob die DB InfraGO als derzeitiges, für die Fuchstalbahn zuständige Eisenbahninfrastrukturunternehmen (EIU), bereit ist, auch die Infrastruktur für einen künftigen Personenverkehr bereitzustellen und diese dauerhaft zu unterhalten.
Viele Aufgaben und Schritte werden (hoffentlich) von den Stellen geleistet, zu deren Auftrag das Weiterbringen solcher Projekte zählt. Nichtsdestoweniger werden wir die Entwicklungen aufmerksam verfolgen, um – falls notwendig – im oben genannten Sinne tätig zu werden.
Also: packen wir es an.
Harald Baumann
Sprecher des Arbeitskreises Fuchstalbahn in der Umweltinitiative Pfaffenwinkel
