Krumme Gurken aus der Nachbarschaft

Am 19. Januar gingen wie jedes Jahr wieder Tausende von Menschen in Berlin auf die Straße unter dem Motto „Wir haben Agrarindustrie satt!“. Und dieses Gefühl hat doch auch jede*r von uns schon einmal gehabt: intransparente Lieferketten, eine Flut an Qualitätssiegeln, die teilweise leider kein Qualitätsgarant sind und immer wieder Lebensmittelskandale haben das Vertrauen von „uns Verbraucher*innen“ in die Nahrungsmittelproduktion nach und nach immer mehr verringert.

Doch was können wir konkret tun, außer unseren Unmut über die Entwicklungen auf Demonstrationen wie in Berlin kundtun? Wir können lokal aktiv werden, es gibt zahlreiche Hersteller, kleine Nahrungsmittelerzeuger*innen, die vormachen, dass es auch anders geht. Eine ganz besondere Gärtnerei in Reichling möchte ich euch hier vorstellen, die dem Konzept der „Solidarischen Landwirtschaft“ folgt und ihren Acker nach Permakultur-Prinzipien konsequent ökologisch bearbeitet.

„WAS IST SOLIDARISCHE LANDWIRTSCHAFT?

Die Landwirtschaft – nicht das einzelne Lebensmittel – wird finanziert.

In der Solidarischen Landwirtschaft (Solawi) tragen mehrere private Haushalte die Kosten eines landwirtschaftlichen Betriebs, wofür sie im Gegenzug dessen Ernteertrag erhalten. Durch den persönlichen Bezug zueinander erfahren sowohl die Erzeuger*innen als auch die Verbraucher*innen die vielfältigen Vorteile einer nicht-industriellen, marktunabhängigen Landwirtschaft.“ (www.solidarische-landwirtschaft.org)

WAS IST PERMAKULTUR? Permakultur ist Zusammenarbeit mit der Natur. Hochwertiges Gemüse wächst nur in lebendigem Boden und intaktem ökologischen Gleichgewicht. Deshalb bedeutet Gemüsebau für uns: Anbauflächen in stabile, artenreiche Ökosysteme verwandeln. Wirtschaftlicher Druck  zwingt zu intensiver Nutzung landwirtschaftlicher Flächen – auf Kosten der Umwelt, unserer Kinder und der Lebensmittelqualität. Ökosysteme verschwinden, durch unsere Arbeit schaffen wir neue. Wir möchten hin zu einer Agrarlandschaft, die Lebensgrundlage, Freizeitraum und Biotop zugleich ist, und die wir Menschen mit den Pflanzen und Tieren teilen.

Konkret heißt das: wir Mitglieder zahlen jeden Monat einen fixen Betrag, den jedes Mitglied am Anfang des Jahres selbst festlegt (wir sind auch untereinander solidarisch, das heißt, jede*r zahlt, so viel er*sie kann und es ihm*r wert ist) und damit auch verspricht, das ganze Jahr über dabei zu bleiben.

Dafür können wir uns einmal pro Woche mit tollem Gemüse versorgen, das an einen von insgesamt 8 Verteilpunkten (Weilheim und Schongau sind auch dabei) geliefert wird. Je nach Kistengröße und Jahreszeit gibt es immer eine leichte Variation an Gemüse. In meiner letzten Kiste (ich habe die normale Größe und zahle 90 Euro im Monat) waren dann zum Beispiel 2 kleine Kürbisse, ein knappes Kilo Kartoffeln, ein Rotkohl, ein Wirsingkopf, Karotten, Zwiebeln und Grünkohl. Gemüse brauchen wir (zu zweit) meistens nicht mehr dazukaufen; es ist also reichlich. Nur im März wird die Ernte etwas dünner, denn das ist – überraschenderweise – der Monat mit den wenigsten Erträgen: der Winter ist fast zu Ende, d.h. Lagergemüse und Wintergemüse (fast) aufgebraucht, und das Frühlingsgemüse ist noch nicht (genug) gewachsen.

Doch dann beginnt der Frühling mit wahnsinnig schmackhaften Kräuter- und Salatgewächsen, die mir zum Teil vorher noch völlig unbekannt waren und so steigert sich das Ganze langsam, bis es im Sommer schließlich altbekanntes Gemüse wie Auberginen in „neuen“ alten Formen und Farben (samenfeste Sorten!), exotisches wie Inka-Gurken und eine Vielzahl an in Form, Farbe und vor allem Geschmack und Frische wunderbaren und einzigartigen Kräutern und Wildsalaten gibt, die man auch in gut sortierten Bioläden nicht finden kann.

Solidarisch bedeutet auch, den*r Landwirt*in oder Gärtner*in zu unterstützen, sollte es aufgrund von Witterungsverhältnissen oder anderen Vorkommnissen eine geringere Ernte geben: der monatliche Betrag bleibt gleich, egal wie voll oder leer die Kiste ist.

Und es bedeutet auch, selbst mal tatkräftig mitanpacken zu können am Feld. Wer selbst einen Garten hat, weiß: es gibt (fast) immer etwas zu tun und so kann sich jede*r Interessierte auf dem Acker in Reichling davon überzeugen, dass der ökologische Anbau einen gesunden Boden, bestes Bio-Gemüse in hoher Qualität und eine geradezu paradiesische Artenvielfalt erzeugt. Je mehr dem engagierten Gärtnerteam um Marcel und Cécile geholfen wird, desto mehr kann für die Gemeinschaft und damit auch für jede*n Einzelne*n geerntet werden.

Einen Tag auf diesem schönen Fleck Erde zu verbringen mit körperlich manchmal anstrengender, dafür mental aber beruhigender und meditativer Arbeit zu verbringen, wirkt im besten Sinne des Wortes „erdend“. Und der Salat im Winter schmeckt nochmal so gut, wenn man sich an die warmen Herbstsonnenstrahlen erinnert, in denen man die damals noch winzigen Pflänzchen pikiert hatte…

Diesen Beitrag zu einer nachhaltigen Versorgung vor Ort kann jede*r von Euch unterstützen:

  • Schaut selbst mal auf www.sonnenwurzel.de und informiert Euch!
  • Erzählt Freund*innen und Bekannten davon! 
  • Kommt zum nächsten Sonnenwurzelhoagascht in Weilheim am Samstag, den 16.02. ab 16.00 Uhr im Café Vinzenz, Pöltnerstraße 19 82362 Weilheim
  • Werdet Mitglied bei der SoLaWi
    Für 2019 sind noch Anteile zu vergeben!

von Susanne Seeling, begeistertes Mitglied bei der SoLaWi Sonnenwurzel

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