Die Schönach als Muse

Libellen am Bach (Foto Ulla Lang)

Es gibt nicht nur Hiobsbotschaften und Notstandsmeldungen, was den Umgang mit der Umwelt betrifft. Jedenfalls dürfen sich die Orte entlang des beschaulichen Baches Schönach, der in Schwabsoien seinen (auch so genannten) Ursprung nimmt und in Hohenfurch in den Lech mündet, durchaus eines hohen Ausmaßes an Einklang mit ihrem Gewässer und der sie umgebenden Natur erfreuen.

Einen sehr lebendigen Beweis hierfür haben diverse Veranstaltungen (Ausstellungen, Pilgergänge, Konzerte u.a.) gebracht, die unter dem Motto „Die Schönach verbindet“ an drei Wochenenden im September und Oktober angeboten wurden. Denjenigen, die – vorwiegend ehrenamtlich – zum Gelingen dieser Aktion beigetragen haben,
kann man nur gratulieren und dafür dankbar sein.

Die Ausstellung über die Geschichte der Schönach und ihre Gemeinden zeigte auf eindrucksvolle Weise, wie dieser Wasserlauf die Entwicklung der an seinen Ufern angesiedelten Menschen, Gemeinschaften und
Wirtschaftsbetriebe bestimmt hat. Durch die Veranstaltungen am alljährlichen bayerischen Mühlentag (Pfingstmontag) ist schon über den Landkreis hinaus bekannt geworden, wie die Schönach den Siedlungsverlauf
der „Mühlenorte“ geprägt und welche Bedeutung sie zum Teil immer noch hat.

Aber es sollte nicht dabei bleiben, die Bedeutung der Schönach anhand ihrer Geschichte zu dokumentieren. Der Kulturverein „Lechwärts“ – und allen voran sein Vorstandsmitglied Stefan Walter – lud ortsansässige Hobby- und Profikünstler dazu ein, sich nicht nur von der Schönach und ihrem Lebensfluss inspirieren zu lassen, sondern
ihre Kreationen an dem Bach selbst aufzustellen oder sogar seinem Fluss anzuvertrauen.
Zu den Künstlern gehörten übrigens auch viele Kinder, die in Kindergärten, Schulen und Vereinen oder zu Hause ermutigende Unterstützung fanden. So konnte man sehen, dass und wie die Menschen mit ihrem Bach leben und welche Assoziationen dieser in ihnen hervorruft. Der Titel dieser Aktion hätte auch heißen können: „Die
Schönach als Muse“.

Diese Initiative mit ihren zahlreichen Nebenveranstaltungen hat ein eindrucksvolles Zeugnis abgegeben, dass mit etwas Umsicht und Einfühlungsvermögen Natur und Kultur in eine Balance zu bringen sind – trotz aller durch die Industrialisierung erlittenen Erschütterungen und zum Teil sehr anfechtbaren (und teilweise nicht mehr
rückgängig zu machenden) Modernisierungen. Sie hat auch gezeigt, dass eine gesunde Wirtschaft, ein gesundes Gemeinwesen, nur dann weiterbestehen kann, wenn der Wandel des Wirtschaftens und der Kultur in Anlehnung
an die Natur und nicht gegen sie geschieht.

Noch einiges bleibt zu wünschen übrig, wie z. B. die Weiterentwicklung einer artgerechten Nutztierhaltung, ein landschaftsschonender und auch ästhetische
Kriterien berücksichtigender Ausbau der dörflichen Gewerbezonen und der Rückbau noch bestehender, teilweise hässlicher Bachbegradigungssünden. Denn Fotos von den durch Hochwasserstände verursachten Überschwemmungen der jüngsten Vergangenheit zeigen, dass die Schäden nicht so hoch gewesen wären, wenn es auch im unteren Bachverlauf noch Überschwemmungszonen gegeben hätte.

Die Initiative „Die Schönach verbindet“ hat bewiesen, dass sich die Menschen mit ihrem Bach nicht nur wirtschaftlich, sondern auch emotional verbunden fühlen und dass sie ihn mit einem, auch photographisch belegten, liebenden Blick anschauen. Möge der Ausbau der alten Bahnlinie als Fahrradweg dazu beitragen, dass viele Radler, wie bereits an diesen September- und Oktoberwochenenden, einen Abstecher an schöne
und beschauliche Stellen der Schönach machen. Wanderer und Spaziergänger können sich bei einer  besinnlichen Rast von der Atmosphäre entlang der Schönach bezaubern lassen, zum Beispiel am „Ursprung“, den viele Besucher wohl erst durch diese Veranstaltung als einen der vielleicht energiereichsten Orte dieser Landschaft für sich entdeckt haben dürften.

Maurice de Coulon
(Dieser Artikel wurde im November-OHA 2012 veröffentlicht.)

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